Psychosozial-Verlag
2025
122 Seiten
24,90
Dieter Funke
Der Wert der Verlusterfahrung
Ein Essay zur Psychologie und
Spiritualität der Trauerarbeit
Provokant kommt der Titel des Buches: „Der Wert der Verlusterfahrung“ daher.
Die Lebenswelten der Menschen sind von Verlusterfahrungen geprägt. Die bedrohliche Weltlage fördert kollektive Ängste. Persönliche Erlebnisse von Defiziten werden dadurch eher an den Rand des Erlebens und Nachdenkens gedrängt.
Umso mehr, meint Autor Dieter Funke, sollte man sich Raum geben, um mit den persönliche Verlusterfahrungen umzugehen. Er will sich ihnen zuwenden, denn in deren Bewältigung könnte auch eine Chance liegen mit den kollektiven Verlusterfahrungen umzugehen.
Über die allgemeinen Defiziterfahrungen, Zeitenwende, Verlust von Beziehungssicherheit, Verlust des Verbundenheitsgefühls mit einem übergeordneten Ganzen, das den Einzelnen hält, kommt der Autor zu Bearbeitung des Verlustes.
Verarbeitungsformen der Verlusterfahrung prägen das zweite Kapitel. Funke beschreibt, wie sozialpsychologische Arbeiten der letzten Jahre sich mit diesem Phänomen auseinandergesetzt haben. Eine Form des Umgangs mit Verlust ist das „leere Selbst“. Das Individuum muss sich selbst halten und scheitert daran. (S. 30).
Das “erschöpfte Selbst“: Es wird geprägt von Überforderung und Ich-Ideal. Das „entfesselte Selbst“: Der Ausfall von Grenzen und Beschränkungen führt zu einer Art entgrenzter Freiheit, die mehr Stress als Befreiung erzeugt, weil der Einzelne meint, alles zu können und zu dürfen und er sich ständig entscheiden muss, was er denn will. Das „verlustsensible Selbst“: Die Verlustsensibilisierung der Spätmoderne setzt eine Zentrierung auf das eigene Selbst voraus.
Im dritten Kapitel geht es um konstruktive Wege, Verluste zu verarbeiten, um lebendig und ganz zu bleiben. Grundmuster der Verlustbewältigung werden sichtbar gemacht.
Verdrängung, Trauer, Wut, Angst, Schamgefühle, Kränkungen werden angesprochen, es sind Gefühle, die sich bei Verlust einstellen. Auch der Modus, den Verlust als Chance zu sehen, wird thematisiert.
Die Überwindung der dualistischen Sichtweise ist dem Autor wichtig. Er bietet an, das leere Grab als Metapher für den Zustand des inneren Leer- und Freiwerdens zu verstehen. (S.87)
Das Kapitel: Die Leere als Neubeginn skizziert die spirituelle Form der Verlustbewältigung. Wenn in den Bereich des Transdualen vorgedrungen wird, stellt sich die Erkenntnis ein, dass die Getrenntheit eine Illusion des Geistes ist, und dass das Verbundenheitsgefühl mit dem größeren Ganzen erlebbar wird. (S 90)
Im letzten Kapitel: Lebendig bleiben trotz Verlust, dreht es sich um das Zulassen von Fremdheit und Angst, um den Verlust der Illusion als Weg zum Lebendigsein, um das Alleinseinkönnen als Hilfe zur Verbundenheit, um die Selbstbezogenheit und den Pfad zur Selbstüberschreitung, um Schuldgefühl und der Suche nach innerer Freiheit.
Das Buch fasst viele Erkenntnisse gut zusammen, es lässt sich flüssig lesen. Der Wert der Verlusterfahrung – es ist kein Verlust dieses Buch zu lesen. Das von seine Frau Renate Paus gestaltet Buchlayout ist spannend und gelungen.
Dr. Heiderose Gärtner-Schultz
