Das dritte Jahr in Ungarn 


Das dritte Jahr in Ungarn – ist das Land unsere zweite Heimat geworden – oder überwiegt das Fremde?


Krank sein und sterben...

Viele der deutschen Residenten oder Semiresidenten in der Gegend um den Balaton lassen ihre körperlichen Beschwerden in Deutschland bessern oder heilen. Nicht immer reicht die Zeit noch aus, wenn jemand plötzlich schwer erkrankt, den Patienten zumindest nach Österreich zu bringen. Die ungarischen Krankenhäuser aber haben gut ausgebildetes Personal und Hilfe wird jedem gewährt.

Und die medizinische Fakultät von Budapest ist eine der gefragtesten Ausbildungsstätten in Europa. Die Studiengebühren können sich nur wenige leisten.

Die medizinische Versorgung hier vor Ort wird sehr unterschiedlich beurteilt. „Mein Mann hatte ernsthafte Beschwerden im Galle- und Leberbereich, die Behandlung und die Röhrchen, die sie ihm gesetzt haben, habe ich in Deutschland noch nie so erlebt,“ berichtet eine ehemalige Gesundheits- und Krankenpflegerin von den Erfahrungen ihres Mannes. Manche stören sich daran, dass es noch Zimmer mit bis zu sechs Betten gibt.

Die Krankenversicherung, die auch deutschen Umgesiedelten zu Gute kommt, bietet Einiges. Die Gleichbehandlung aller im Wartezimmer Vorfindlichen ist gewährleistet, da die Assistentin im Arztzimmer sitzt und es in der Regel keinen Empfang gibt. Also sitzt man vor der Tür und merkt sich, wer vor einem drankommt. Viele Ärzte sprechen Deutsch. Eine sogenannte offene Badekur kann vom Mediziner zweimal pro Jahr verordnet werden; das nehmen viele gerne wahr.

Auch die intensiv medizinische Ausstattung lässt nichts zu wünschen übrig. Die palliative medizinische Begleitung ist nicht so ausgebaut wie in Deutschland. Die Versorgung Schwerstkranker mit starken Schmerzen ist gewährleistet, aber die Zuteilung der schmerzstillenden Mittel wird wesentlich strenger gehandhabt. Dazu passt, dass schon geringer Besitz illegaler Drogen aufs Härteste bestraft wird.

Eine Patientenverfügung, wie wir sie in Deutschland kennen, gibt es in anderer komplizierter Form. Im Besitz der geistigen Kräfte muss bei einem Notar die Verfügung verfasst werden und ein zweiter Notar muss die Zuständigkeit der genannten Betreuer bestätigen. Das wirkt aufwändig.

Dafür ist die Beerdigung unkomplizierter. Die Asche eines Menschen wird vom Krematorium auch in einem Plastikbeutel mit nach Hause gegeben. Eine Beerdigung der Asche in einem Gefäß ist auf dem eigenen Grundstück möglich.


Es tut sich was...

Die Mülltrennung, bisher eher rudimentär in Ungarn vertreten, hat Einzug gehalten.

Die in einem der letzten Blogs fotografierten Müllplätze gibt es nicht mehr. Sie sind flächendeckend verschwunden. 

Stellt sich die Frage, wohin mit dem vom Restmüll getrennten Abfall? Für viele deutsche Bewohner war der ortseigene Müllplatz die letzte Rettung, um den getrennten Müll los zu werden.

Aber siehe da: Der gelbe Sack ist eingezogen. Die Nutzung ist etwas anders als bei uns. Dorthinein kann man auch Papier und Glas geben, die Inhalte des gelben Sacks werden auf Förderbändern getrennt. Und es gibt einen besonderen Service: Man muss den gelben Sack nicht besorgen, man kann es zwar auf dem Bürgermeisteramt tun, aber man bekommt die Anzahl der abgegebenen, neu wieder hingelegt.

Ursprünglich gingen wir davon aus, dass die Abfuhr alle vier Wochen stattfindet, aber auch das gestaltet sich komfortabler, die Entsorgung passiert alle 14 Tage.

Und die großen Discounter haben nun Möglichkeiten geschaffen, Plastikflaschen zurück zu geben. Von einem Pfand-System wie bei uns kann man so nicht reden, bei einigen gibt es ein paar Forint pro Flache. Das geht umgerechnet gegen Null, wenn man weiß, dass 300 Forint ein Euro sind.

Für viele Trennaktivisten ist das ein echter Forstschritt und ich denke für alle anderen aus.

Die Unsitte, die es in Deutschland auch gibt, Gartenabfälle mehr oder weniger unbemerkt in den Wald zu schmeißen, und auf diese Weise zu entsorgen, ist auch hier verbreitet. Wir hoffen, dass sich auch diese Auswüchse, egal in welchem Land, ausrotten lassen.

Der Schritt von der Mülltrennung hin zum Bewusstsein, dass es sich bei Abfall um Wertstoffe handelt, wie unsere Wertstoffhöfe, dies begrifflich verdeutlichen, ist einer, der in unseren Köpfen passieren muss/darf.


Menschen stranden...

Die Bilder von Menschen, die gestrandet sind, Kinder, die tot am Strand liegen, weil die Familien über das Mittelmeer geflohen sind, haben sicher viele von uns noch im Kopf.

Wir sprechen aber auch davon, dass Menschen im übertragenen Sinn stranden. Bei unserem Arbeitsaufenthalt in Rhodos gab es mehrere alleinstehende deutsche Männer, die ihr Leben unter ärmlichen Bedingungen fristeten. Zum Teil hatten sie keine sozialen Kontakte. Als einer starb, fiel die Aufgabe der Beerdigung der evangelischen deutschen Gemeinde auf Rhodos zu. Denn er war als evangelisch gemeldet und so wendete sich die Behörde an die Gemeinde. Sie übernahmen, da es weder Freude noch Angehörige gab, diese Aufgabe und begleiteten den Verstorbenen auch auf seinem letzten Weg.

Auch in Ungarn stranden Deutsche. Einer muss seine Wohnung verlassen und findet keinen Wohnraum, den er bezahlen kann. Andere wollen aus ihrem Beruf frühzeitig aussteigen, können dies aber nur dort verwirklichen, wo die Lebenshaltungskosten, so wie in Ungarn, günstiger sind. Dann wird alles, was in Deutschland vorhanden ist, zu Geld gemacht und ein erschwingliches Haus in Ungarn gekauft. Welche Vorstellungen, Visionen, Lebensperspektiven die Aussiedelnden damit verbinden, wird nicht deutlich. Das Hauptmotiv scheint zu sein: Hauptsache weg aus Deutschland, weg von der Arbeit, manchmal auch weg von der Familie. Es ist eine Flucht vor Unbewältigtem, was in Deutschland zurückgelassen werden soll. Dass sich dieser Wunsch nicht immer erfüllt, drängt sich als Gedanke auf, denn den Ballast, den man mit sich rumträgt, der bleibt erhalten.

Nun gut, nach dem Motto: Ich bin dann mal weg! Was dann wird, ist ein zweiter Teil. Ob es Einigen so ergeht, wie dem Mann auf Rhodos? Andere wollen bald wieder zurück, können es sich dann aber nicht leisten…. Automatisch hat eine Flucht noch keine Zukunftsperspektive, sie sichert im schlimmsten Fall das Überleben …aber wie geht es weiter?


Religion in Ungarn

„Ein katholisches Volk“ - so waren meine gängigen Vorurteile in Bezug auf die Religionszugehörigkeit der Ungarn. Der Länderinformation Ungarn vom Februar 2019, die die Evangelische Kirche in Deutschland herausgibt, entnehme ich, dass 37% der Ungarn der Römisch-Katholischen Kirche angehören.

„Ups -so wenig“, dachte ich mir. Und die Antworten aus kundigem Mund erinnerten mich daran, dass dieses Land viele Jahre zu den sogenannten Ostblockstaaten gehörte, in denen Religion kein gängiges Thema war.

Es gibt die reformierte Kirche Ungarns, zu ihr gehören 1,15 Millionen Menschen von den ca. 975 000 Einwohnern des Landes. Zur Evangelisch-Lutherischen Kirche zählen sich 215 000 Mitglieder. Es gibt weiterhin Baptisten, Methodisten, Anglikaner, Orthodoxe.

Die katholische Religionsausübung hat, so erlebe ich es, viel mit Kultur- und Heimatbewusstsein zu tun. Eine Gläubigkeit, so wie sie mir in Polen begegnet ist, habe ich hier noch nicht erfahren.

Auch Buddhistisches begegnet uns in diesem Land, der Stupa, den man nicht weit von uns besuchen kann und der eine Friedensstupa ist. Oder das Krischna Tal einer autonomen buddhistischen Gemeinde.

Erstaunlich präsent sind die, die als Sekte gelten, die Zeugen Jehovas. Es gibt wohl auch eine größere ungarische Gemeinschaft. Aber etliche deutsche Residenten haben sich ihnen angeschlossen. Auch hier in Ungarn gehen sie von Haus zu Haus, erkunden genau, wo Deutsche leben und beglücken sie mit ihrer Zeitung, dem Wachturm. Auch wir bleiben nicht verschont. Die uns Besuchenden, die zu den Zeugen Jehovas gehören, wissen sehr genau, dass wir im Dienst der Evangelischen Kirche Deutschland arbeiten. Diese Information hält sie nicht ab, uns regelmäßig zu besuchen. Warum sollte nicht auch einmal eine Pfarrerin und ihr Pfarrmann bekehrt werden?

Die Missionstätigkeit ist ausgeprägt und sie nutzen ihre Präsenz in den deutschen Stammtischen als Möglichkeit „an Menschen“ zu kommen.


Reifenpanne

Reifenpannen haben wir in Ungarn schon einige gesehen. Warum gehen hier so viele Reifen kaputt?

Die überlegte Antwort lautet: Schlechte Straßen, evtl. Unrat wie Schrauben oder Glas auf der Fahrbahn.  Das einem das selbst auch einmal passiert, hatte ich nicht so auf dem Schirm.

Auf jeden Fall haben ich Ende Mai ganz neue und richtig gute Sommerreifen gekauft. Die letzten haben 70 000 Kilometer gehalten, also dachte ich mir, es ist richtig, wieder ein Qualitätsprodukt zu nehmen. Soweit so gut!

Auf dem Weg zu einem Gemeindemitglied, schallte hinter mir das Martinshorn. Ich führ rechts auf den Grünstreifen, der in einen kleinen Kanal führte. Das Sanitätsauto kam nicht an mir vorbei, ich fuhr noch weiter in den Graben und war dann froh, wieder aus diesem herauszukommen.

Plötzlich klackerte es rechts, der Wagen fuhr nicht richtig. Ich bog ab und hielt in der Nähe des Balatonfahradwegs. Ich stieg aus und sah die Bescherung. Der rechte Vorderreifen war platt. Was tun – Reifenwechsel bei 40 Grad, das traute ich mir nicht zu. Eine weitere Möglichkeit war, den ungarischen ADAC anzurufen. Inzwischen fuhren viele Deutsche an mir vorbei, registrierten, dass ich eine Reifenpanne hatte.

Nach einer halben Stunde des Überlegens und Nachdenkens kam ein Vater mit seinem Sohn vorbei, die den Balatonradweg erwanderten. Großartige Sache dachte ich, mal was anderes. Diese beiden nun, gingen nicht an mir vorbei. „Oh, Reifenpanne, können wir helfen?“

Ruckzuck waren der Ersatzreifen und der Wagenheber ausgepackt. Mit gemeinsamen Kräften konnte der Reifen gelöst und der Ersatzreifen befestigt werden. Mein Dank wurde angenommen, alles andere wurde zurückgewiesen. Es war sehr schön, so freundliche und hilfsbereite Menschen kennen zu lernen. Ich lud sie zum Sonntagsgottesdienst und unserem gemeindlichen Mittagessen ein …. und sie kamen!

Die Gemeinde hat sie sehr freundlich begrüßt und sich nach ihnen erkundigt. Das Fazit: Es gibt noch nette Menschen!


Fliegen...

Flugreisen sind hilfreich, um viele Kilometer zu überwinden. Die Möglichkeit Billigflieger zu nehmen, eröffnet vielen Menschen die Möglichkeit weite Reisen zu unternehmen. Aber auch beim Billigfliegen gibt es ein oben und ein unter. Die unterste Preiskategorie ist zu spüren: Abfertigung in einer alten Fabrikhalle, ellenlange Bustransporte über das Flughafengelände. Sitze zum Reinquetschen. Aber auch unter diesen Bedingungen kann man Kilometer machen. Die gereizte Hektik unter den Flughafenbenutzern ver“schönert“ den Reiseevent. Obwohl jeder seinen Sitzplatz schon hat, wollen alle als Erste in den Flieger.

Einen besonderen Reiz bietet die Sicherheitskontrolle, nicht etwas deshalb, weil man befingert wird, nein, es ist die Spannung, die sich aufbaut. Komme ich und mein Gepäck heute ohne großes Aufheben durch den Check? Oder werde ich oder ein Kofferteil von mir rausgewinkt? Und was es da dann wohl zu finden gibt? Das wird nach den letzten Flügen für mich die spannende Frage bleiben. Denn auf einem der letzten Reisen wird meine Handtasche drei Mal durch den Scanner geschickt – dann werde ich gefragt, ob ich eine Feile dabei hätte. Das bejahte ich und zeigt ein in Plastik versenkte drei Zentimeter lange Nagelfeile. Ich ging davon aus, dass ich sie jetzt abgeben müsste, aber nein, ich durfte sie behalten.

Der Koffer meines Mannes musste auch mehrfach die „Tunnnelreise“ antreten. Dann wurde er geöffnet. Danach der Waschbeutel und siehe da, das Personal war glücklich, ein kleiner in Plastik versenkter Korkenzieher. Auch dieser wurde nicht einbehalten, obwohl ich denke, dass so ein Gerät schon gefährlich sein kann. „Nein“, hieß es, er sei weniger als fünf Zentimeter lang uns so durften wir ihn behalten. Wir hatten den längst vergessen, da er sich seit Jahren in der Kulturtasche befindet, immer mitreiste und mitflog und nie gefunden wurde.

Auf der Rückreise wurden beide Teile nicht gefunden oder nicht gesucht. Aber etwas anderes schlug an. Was das jetzt wohl wieder ist? Koffer auf, Waschbeutel auf und sie da, ein Deo-Spray in korrekter Reisegröße wurde beanstandet. Diese kleine Dose ist demnächst separat in einem Zippplastikbeutel zu transportieren, so wurden wir für die nächsten Reisen ermahnt.

Fliegen ist schön, weil man nie auslernt und es immer Überraschungen gibt.


Und plötzlich...

steht da ein Pony im Garten. Nun sicher bin ich inzwischen in einem Alter, wo man viele Dinge anders sieht. Und evtl. auch Sachen, die nicht vorhanden sind? Auf jeden Fall stand da plötzlich ein Pony im Garten. Ich suchte meinen Mann, der im Carport beschäftigt war und sagte: „Komm`mal mit, da ist ein Pferd im Garten.“ Seine Reaktion schildere ich an dieser Stelle nicht! Aber er kam trotzdem mit. Und siehe da, was mussten seine müden Augen erkennen: Ein Pony bei uns im Garten.

Ein besonderes Pony mit besonderen Anspüchen, die wir als Nicht-Pferdekenner sogleich verstanden. Es scharte mit seinen Hufen auf unserer Zisterne, was wohl hieß: Wasser. Ein Eimer Wasser wurde gereicht. Es soff wie nicht gescheid und dann gab es ein Schnauben von sich. Wir servierten Aprikosen, die im Garten gerade reif wurden. Gefällig wurde diese Gabe akzeptiert und das Fruchtfleisch sogfältig vom Kern gelöst. Danach wurde gegrast, was das Zeug hielt. Wir suchten inzwischen an der Straße nach Besitzern, die sich nicht auftreiben ließen. Wir überlegten, morgen ein Bild vom Pony an die Bushaltestelle zu pinnen mit unserer Telefonnummer oder evtl. gleich zur Polizei zu gehen. Mit zu bedenken ist immer das Sprachproblem!

Mit unserem Überlegungen waren wir noch nicht recht fortgeschritten, als das Pony – satt und sauber – Verzeihung- satt und nicht mehr durstig, uns wieder verließ. Ohne Abschiedsgruß und ohne den, für meinen Garten ersehnten Haufen zu hinterlassen.

Schlangen 2

Dann war es also wieder weg und ein gemütlicher Abend auf der Terasse sollte beginnen. Ich wollte noch einen Eimer mit Blumenerde wegräumen, als ich direkt an unserer Hauswand ein Schlangenest fand. Ich dachte, dass das ziemlich ungewöhlich sei,direkt an Haus und Terassen, wo es viele Erschütterungen gab. Aber die beiden Schlangen waren da und es gelang uns nicht 100 prozentig, sie zu bestimmen. Für uns hatten sie Ähnlichkeit mit der bedrohten ungarischen Wiesennatter. Wenn uns jemand schreiben kann, welche Schlangenart das ist, freuen wir uns. Auf jeden Fall verschliefen sie den Abend und waren am nächsten Morgen, genauso wie das Pony, verschwunden. Wir freuen uns auf weitere Besucher, es dürfen auch ganz normale Menschen sein.


Aprikosenernte in Ungarn...

Letztes Jahr waren viele Blüten auf dem Aprikosenbaum. Und auch der Fruchtansatz war auch nicht schlecht, aber die Wetterbedingungen führten dazu, dass die unreifen Früchte am Baum verfaulten.

Im Jahr 2019 waren unsere drei Aprikosenbäume üppig bestückt und wir konnten fast handtellergroße Aprikosen ernsten. Circa 160 kg mussten von den Bäumen runter und zu Marmelade, Chutney, Trockenobst verarbeitet werden. Aber damit noch nicht genug. Was sollte man mit dem riesigen Rest anstellen?

Andere Deutsche hier im Land, die auch viele Obstbäume haben, empfahlen uns Schnaps, Palinka brennen zu lassen. Da wir keinen Schnaps trinken, gefiel uns die Idee nicht gut. Aber irgendetwas musste doch mit dem Obst geschehen. Also gut, dachten wir, lassen wir Schnaps brennen, den können wir verschenken.

Gesagt, getan. Damit die Brennerei unser Obst annimmt, muss es eingemaischt sein und das Gewicht von ca. 120 Kilogramm auf die Waage bekommen.

120 Kilogramm Aprikosen mit der Hand entsteinen und kleinschneiden, sind zu zweit mit Pflücken des Obstes, drei Tage Arbeit.  Nun wir entschlossen uns dazu. In Plastikbehältern war nun die Maische untergebracht und es wurde Hefe hinzugetan. Kurz darauf hörte man es in den Behältern blubbern, die Gärung begann. Wenn es nicht mehr blubbern würde, könnte es den Weg zum Brenner finden.

Als mein Mann zwei Tage nach der Gärung in den Keller schaute und die Luft aus einem Behälter lassen wollte, flog ihm das Aprikosengemisch um die Ohren und versaute den gesamten Keller.

Unnötig zu erwähnen, dass wir jetzt einen strahlend sauberen Keller haben und alles was darin rumliegt auch glänzt. Aber die 40 Liter, die durch die Luft geflogen waren, fehlten jetzt. Freunde boten uns an, von ihrer 200 kg Aprikosen-Maische das abzunehmen, was wir brauchten, damit es abgegeben werden kann. Wir nahmen das Angebot an. So aufgefüllt, war mit einem Ertrag von ca. 20 Litern Schnaps zu rechnen.

Die Etiketten wurden schon entworfen, da kam ein Anruf vom Brenner selbst. Wir könnten unsere fünf Liter Aprikosenschnaps abholen. Na gut, da haben wir uns beim Telefonieren sicher verhört. Aber nein, es kam anders. Irgendwie hat wohl das ganze Durcheinander zu einer Unterbrechung des Gärprozesses geführt und so gab es tatsächlich nur fünf Liter und damit sie richtig genießbar werden, müssen sie mindestens ein bis zwei Jahre lagern.


Kindererziehung

Wenn man verschiedene Länder in Europa bereist, erlebt man, dass das Leben in jedem Land sozusagen unterschiedlich spielt. Nicht nur andere Landschaften und Sprachen erwarten einen, sondern auch das Leben der Menschen tickt anders.

Eine junge ungarische Familie lebte einige Jahre in Deutschland, wo der Mann gutes Geld verdienen konnte. Es wurden zwei Kinder geboren, die eine ist vier und der andere ist ein und ein halbes Jahr alt. Sie fühlten sich in Deutschland wohl, waren auch der deutschen Sprache mächtig.

Jetzt leben sie wieder in Ungarn. Hier ist das Geldverdienen für den Vater nicht so leicht, er versucht sich als Hausmeister bei den deutschsprachigen Bewohnern. Ein Hausmeister, der mit einem großen Mercedes vorfährt – das hat doch was!

Warum ist die Familie nach Ungarn zurückgegangen? Die junge Frau gab den Ausschlag. Ihre Tochter ging in den deutschen Kindergarten und ihr gefiel es nicht, was ihre Tochter dort mitbekam. Die Eltern drückten ihren Entschluss mir gegenüber wie folgt aus: „In Deutschland ist das Kind König - in Ungarn die Eltern.“ Sie wollten offensichtlich, dass ihren Kindern ein anderes Elternbild vermittelt wird. „Das geht so nicht weiter, wir müssen zurückgehen“, meinte die junge Frau.

In Ungarn geht die Grundschule, in der auch Fremdsprachen vermittelt werden bis zur achten Klasse. Danach ist eine Lehre oder eine weiterführende Schule möglich. Dies gefiel den ungarischen Eltern auch besser. Ich argumentierte dagegen und führte an, dass z. B. nach vier Jahren Grundschule die Begabungen der Kinder schon gut zu erkennen seien und erzählte von den drei Enkelkindern, von denen jedes auf eine andere weiterführende Schule, gemäß ihren Begabungen, geht.

„Da weiß man doch noch gar nicht, was man will“, meinte der Vater. So unterschiedlich sind die Einschätzungen.


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