Altern (7)

Altern kann als ein multidimensionaler Prozess verstanden werden. Alter kann sowohl von den Betroffenen als auch außen unterschiedlich wahrgenommen werden. Die Bewertung von Alter und Altern bleibt ambivalent, wenn auch zunehmend festgestellt werden kann, dass die als negativ wahrgenommenen Aspekte von Altern positiv interpretiert und neue Lebens- und Handlungsmöglichkeiten entdeckt werden.

Beim Umgang mit den verschiedenen Theorien zum Altern, ist zu beachten, dass ihnen allen unterschiedliche Menschenbilder, beeinflusst durch die Strömungen der Zeit, zugrunde liegen. Damit unterliegen diese Theorien und Kategorisierungen der Gefahr, Menschen in ihrer Einmaligkeit und Individualität nicht gerecht zu werden. Sie können zu plakativen Modellen von menschlichem Verhalten werden, die die Gefahr in sich tragen, zu einer Festlegung und Stigmatisierung des Menschen zu führen.

Wie das Alter gut gelebt werden kann, ist von den Erwartungen, wie das Altern sein wird und von der Einstellung abhängig, die man zum Altern entwickelt hat. Jean Améry, Schriftsteller, ist 1912 in Wien geboren und starb 1978 durch Selbstmord.. Gnadenlos wird von Améry dem Verfall des Körpers ins Auge geblickt:

„Wir mögen dem Spiegel ausweichen. Wir können aber nicht verhindern, dass wir unsere Hände sehen, an denen die Adern hervortreten, unseren Bauch, der schlaff und faltig wird, unsere Füße, deren Zehennägel trotz aller Petikeurskünste verdicken und rissig wurden. Wir können unserem Körper, wären wir selbst blind, nicht davonlaufen, können nicht aus der Haut fahren, wie wir das nur allzu gerne möchten wenn wir diese schilfrig sich schuppende Haut betasten. … Er wird Hülle – das Wort von der „sterblichen Hülle“ drängt wohl jedem Alternden sich auf, der seinem leiblichen Geschehen nachdenkt – , ..“ (Jean Améry, Über das Altern, Stuttgart, 5. Aufl. 1997, S.45/46).

Eine Sichtweise auf das Altern, die vernichtend erscheint, sie lässt den Selbstmord des Autors als stringente Antwort erscheinen. Nur der äußere Verfall wird gesehen. Es ist der notwendige Reifungsprozess, den wir Menschen durchlaufen, die Erkenntnis der eigenen Endlichkeit, gibt uns die Chance, Gott näher zu kommen.