Altern (6)

Was ist das Besondere am Menschen? Er bleibt in gewisser Hinsicht ein Kind ein –Leben lang, oder anders ausgedrückt, dass Kind, dass ein Mensch einmal war, bleibt im Inneren auch im Alter erhalten. Psychologisch wird vom inneren Kind gesprochen. Dass das in der Entwicklung der Menschheitsgeschichte ein besonderer Vorsprung gegenüber anderen Gattungen war, hat ein französischer Forscher festgestellt.

Er geht davon aus, dass die Menschheit im Gegensatz zu anderen Spezies die Fähigkeiten aus der Frühphase ihrer Entwicklungen im Kinder- und Jugendalter auch in späten Jahren beibehält, es wird vom Prozess der Neotenie gesprochen. Gemeint sind damit folgende Eigenschaften, die beim Menschen auch im Alter noch erhalten werden können: Wissbegier, Offenheit, Kreativität, Phantasie und Flexibilität. Aber auch physische Phänomene werden angeführt, so ähnelt der Schädel eines alten Menschen des einen Kindes noch in starker Weise. Bei den Schimpansen z. B. ist dies nicht der Fall. Nur durch die Neotenie, so meint A. Montagu, konnte die Menschheit überleben.

Es ist heute also die Aufgabe der Menschen, „jung“ alt zu werden, d. h. sich diese „kindlichen“ Fähigkeiten zu erhalten. Für die Überlegungen zum Verstehen des Alters gibt dieser Ansatz neue Impulse. Es wird dann nicht nur um den Erwerb reifer Ziele im Alter gehen, sondern zumindest auch um Erhalt der in diesem Sinne verstandenen „Kindlichkeit“.

Im christlichen Kontext wird der Mensch als Kind Gottes verstanden. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass Gott der Schöpfer eines jeden Menschen ist. .Jeder von uns ist von Gott gewollt! Diese Form der Kindschaft besteht also ein Leben lang und darüber hinaus. Als Kinder Gottes haben wir die Freiheit, uns die Freude am Leben, das Stauen über jeden neuen Tag und die Neugier als Hoffnung auf alles, was kommt und das Vertrauen, dass alles gut wird, zu erhalten. Als Kind Gottes ist es möglich, sich in die „Arme Gottes“ fallen zu lassen und in geläuterter Weise kindlich zu glauben, dass er, Gott, hinter allem steckt und dass niemand „fallen“ gelassen wird.