Altern (3)

Soziologische Alterdeutung

Folgende vorherrschende Altersunterteilung wird heute kritisch überdacht werden müssen. Man unterscheidet „junge Alte“ zwischen 60 und 69 Jahren, „alte Menschen“ zwischen 70 und 74 Jahren und „Hochbetagte“ über 75 Jahre. Diese Festlegungen bedeuten keine starre Grenzziehung, z. B. kann das „junge Alter“ auch vom 55. Lebensjahr an gerechnet werden. Ebenso sind immer mehr Menschen bis ins hohe Alter von z. B. 90 Jahren hinein in der Lage am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und sich selbst zu versorgen. Der Eintritt in die Lebensphase des jungen Alters öffnet das Tor zu mehreren Altersübergängen und –abschnitten. Alle folgenden Übergänge sind gleichsam kleinere Türen, die hinter dem großen Tor verborgen sind.

In der Bundesrepublik leben 6,7 Millionen Menschen im Alter zwischen 60 und 69 Jahren. Die Situation der Menschen, die sich zwischen dem 60sten und 65sten Lebensjahr befinden, ist von der Notwendigkeit gekennzeichnet, von Berufstätigkeit oder intensiver Familienarbeit Abschied zu nehmen.

Nicht selten kommt es außerdem zu Wohnorts- oder Wohnungswechseln. Wenn auch die Loslösung von den Kindern in der Regel zu diesem Zeitpunkt schon geschehen ist, so müssen doch vielfach fest gefügte Sozialstrukturen verlassen werden. Nicht selten nämlich ist der Verlust des Partners bereits eingetreten oder das Nachlassen der eigenen Gesundheit schafft neue Lebensbedingungen. Wobei die Unsicherheit jener Rahmenbedingungen, die das soziale Leben von Menschen bestimmen, mit zunehmendem Alter größer wird. Ein deutliches Nachlassen der Sinnorientierung ab dem 55. Lebensjahr kann zu Lebensunzufriedenheit und Frustration führen.

Entsprechend geht die oftmals negative Bewertung von Alter in unserer Gesellschaft einher mit Verlust orientierten Theoriebildungen der Altersoziologie, wie etwa der Disengagement-Theorie, die davon ausgeht, dass mit zunehmendem Alter sich der Mensch auf sich selbst zurückziehen und sich auf den bevorstehenden Tod einstellen soll.

Diese negativ geprägte Sicht des Alterns führt in vielen Fällen zu einem negativen Selbstbildnis alter Menschen. Gerade an dieser Stelle haben wir als Christen die Möglichkeit dieser Haltung entschieden entgegen zu treten. Wir sind und bleiben Gottes Geschöpfe, seine Ebenbilder.