Altern (20)

Altern im Neuen Testament

Prophetischer Auftrag

Am Anfang des Lukas-Evangeliums (Lk 2,22ff) wird von zwei alten Menschen berichtet, die sich in der Nähe des Tempels aufhalten.

Simeon wird als gottesfürchtiger Mann beschrieben, auf dem der Geist Gottes ruht (Vers 25). Er wartet auf den „Trost Israels“, den durch die Propheten vorausgesagten Retter der Welt. Durch den heiligen Geist weiß er, dass er nicht sterben wird, bevor er den, den er erwartet, gesehen hat (Vers 26). Auch im folgenden Vers wird noch einmal auf die Rolle des heiligen Geistes aufmerksam gemacht, der Simeon zum Tempel trieb. Dort begegnet er Maria und Josef mit dem Kind Jesus. Er nimmt das Kind in seine Hände, und er weiß, dass dieses Kind dasjenige ist, das seinem Warten ein Ende macht.„ Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben den Heiland gesehen.“ (Vers 29) So deutet Simeon Jesus in den folgenden Versen als Heiland der Welt, der Heiden und des Volkes Israel. Diese Deutung hat öffentlichen Charakter. Hanna und Simeon prophezeien, was die Aufgabe Jesu für die Welt sein wird.

Hanna wird als hochbetagte Prophetin bezeichnet, deren Lebensinhalt der Dienst an Gott war. Sie ist eine Tochter Phanuels, aus dem Stamm Asser. Über diesen Stamm sprach Mose folgenden Segen: „Von Eisen und Erz sei der Riegel deiner Tore; dein Alter sei wie deine Jugend!“ ( Dtn 33,25b).

Beide alte Menschen nehmen die Aufgabe wahr, den Eltern und der Öffentlichkeit im Umfeld des Tempels die Sendung und Bestimmung des neugeborenen Kindes zu bezeugen. Ihre Fähigkeiten, weiter zu sehen als andere, sind ihnen nicht zu ihrem Nutzen, sondern zur Erfüllung von Gottes Auftrag gegeben. Ihre ihnen zugedachte Aufgabe ist es, ihre Fähigkeiten für andere einzusetzen – gerade auch in ihrem Alter. So sind sie dazu bestimmt, den Christus vor der Welt zu bekennen. Jesu Eltern wundern sich über die Aussage von Simeon und Hanna. Diese verstehen Jesus als den Heiland, bezeichnen ihn auch so, und Simeon prophezeit, dass sich an ihm die Geister scheiden werden (Lk 2,33f).Sie reden prophetisch deutend, vom Geist Gottes begabt. Ihre Fähigkeit weiter zu sehen, formt sich in Worte, die wegweisend sind für andere. Sie sind es, die die Ereignisse der Zeit deuten und den Heiland vor der Welt bezeugen (Lk 2,38).