Altern (2)

Alte Menschen verstehen, bedeutet sich dem eigenen Alter, dem eigenen Alt -Werden zu stellen. Das ist eine große Herausforderung! Es ist aber auch eine bereichernde und schöne Aufgabe.

Dazu gehört es, sich mit den derzeitigen Erkenntnissen über die Altersentwicklung auseinander zu setzten. Entscheidend für den Umgang mit Alter ist, wahrzunehmen, dass jeder Mensch anders altert und jeder das Recht auf seine Art des Umgangs mit dem eigenen Alter hat.

„Das tut man doch in meinem Alter nicht mehr“, dieser Haltung, die aus diesem Satz spricht, gilt es entgegenzutreten, es gibt keine vorgefertigte Alternsschablone. Gott hat jeden Menschen individuell geschaffen, dies hat gerade auch im Alter Geltung. Denn: „Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein“ (Ps 92,15), deshalb darf auch im Alter die Fülle der vorhandenen Lebensmöglichkeiten ausgekostet werden.

Den Alterungsprozessen kann sich niemand entziehen. Alt zu werden bedeutet:

  • sich mit den körperlichen und psychischen Veränderungen auseinander zu setzen. Das Aussehen, der Gesundheitszustand verändert sich.
  • sich mit der Veränderung der Sozialkontakte zu befassen. Die eigene Familie ist eine andere geworden. Die aus dem Beruf gezogene Anerkennung, der damit verbundene Status und die Gemeinschaft mit den Kollegen entfallen.
  • sich den materiellen Veränderungen zu stellen. Weniger Geld, finanzielle Belastung durch Heimaufenthalt etc.
  • sich mit dem herrschenden Altersbild auseinander zu setzen. Erfahrungen des Ausgegliedert – Werdens wollen verarbeitet sein.
  • sich der Bewältigung der Alltagssituationen zu stellen. Ein neuer Umgang mit Zeit will erlernt sein. Der Umgang mit Behörde oder mit neuen Technologien ist z.B. eine Aufgabe.
  • sich der eigenen Endlichkeit zu stellen. Wie sieht der Lebensrückblick aus? Ist Versöhnung mit der eigenen Geschichte möglich? Kann ich die zunehmende Abhängigkeit ertragen? Wie sehen meine Hoffnungen und Wünsche aus – wird ein Sterben in Würde möglich sein?

Diese Aspekte greifen die nächsten Artikel auf und geben Anregung und Hilfestellung.

„Das Alter ist wie ein Balkon, von dem man weiter und genauer sieht.“ Bis der Satz von Marie Luise Kaschnitz Wirklichkeit wird, wird sich noch vieles in unserer Gesellschaft verändern müssen – allem voran unsere eigene Haltung zu Altern!