Altern (18)

Altern im Neuen Testament:

Das Fragen und Suchen nach dem richtigen Weg im Leben wird auch von dem alten Menschen erwartet. Das Beispiel des gelehrten Nikodemus zeigt uns, dass man gerade im Alter angesichts des Todes und der Frage des ewigen Lebens, Suchender und Fragender sein darf. Der älter gewordene Mensch ist jemand, der in besonderer Weise fragt und sucht (Joh 3,4). Er erkennt dann aber, dass die Veränderung in der Erkenntnis und die Erneuerung im Glauben gerade nicht vom Alter abhängig ist.

Die Zahl an Jahren, das Alter, das ein Mensch erlangt, ist für das Neue Testament unwichtig. Deswegen tritt das Alter als besonderer ‚Stand‘ im Neuen Testament nicht hervor. Es wird auch nicht darüber nachgedacht. Anlehnend an Galater 3 kann gesagt werden: Hier ist kein alter und kein junger Mensch mehr, in Christus sind wir alle gleich. Dem Altern wird im Neuen Testament keine Bedeutung beigemessen. Im Leben sind nicht die Jahre entscheidend, sondern die Beziehung zu Gott ist das im Leben eines Menschen Tragende.

Es gibt einen diakonischen Auftrag speziell für Ältere .Die älteren Witwen waren oft unversorgt und arm, nicht selten wurden sie in den Gemeinden zu einem Versorgungsproblemen, Sie sollen aber „geehrt“ werden, so heißt es im Timotheusbrief (1 Tim 5,3) und nicht der Verelendung ausgesetzt werden. Man sollte sich um sie kümmern. Dieses „Ehren“ schließt selbstverständlich die materielle Seite, die Fürsorge für den täglichen Lebensunterhalt mit ein. So wurde die Versorgung der Witwen durch die Gemeinde geregelt. Im Gegenzug war es Aufgabe der Witwen sich um andere Bedürftige zu kümmern. Die Institutionalisierung ihres diakonischen Dienstes in der Gemeinde führt zum „Amt“ der Witwe, das entsteht als eines unter anderen urchristlichen Diensten, allerdings mit eigener Struktur. Das Amt der Gemeindewitwen unterscheidet sich von den anderen dadurch, dass es nicht der Leitung, Führung und Organisation der Gemeinde dient, sondern den diakonischen Aufgaben vorbehalten ist. Es ist in erster Line aus der Fürsorge für die Witwen entstanden und führt dazu, dass die Witwen, die von anderen Verpflichtungen frei sind, fürsorgende Dienste für andere übernehmen. Heute würde man von einer „win-win“ Situation für alle reden.