Altern (14)

Doch nicht immer ist das Alter weise, gerecht und milde. Hiob sieht, dass auch Frevler alt werden (Ijob 21,7). Von einem Automatismus, dass, wer alt wird, gleichzeitig auch weise sei, kann nicht die Rede.

Im Alter weise zu sein, ist das Ergebnis der Gottesbeziehung, einer guten Beziehung zu Gott oder wie die Bibel formuliert: der Gottesfurcht. So zeigen sich im Hinblick auf das Alter spezifische Gefahren und Laster genauso wie typische Gaben und Fähigkeiten. Der alte Mensch kann Lastern zum Opfer fallen oder mit Gottes Hilfe die spezifischen Tugenden des Alters verwirklichen. „Ich dachte: Lass das Alter reden, und die Menge der Jahre lass Weisheit beweisen. Aber der Geist ist es in den Menschen und der Odem des Allmächtigen, der sie verständig macht.“(Ijob 32,7.8) Gott ist es, der Weisheit im Menschen bewirkt, der ihm die Tugenden des Alters Weisheit, Gerechtigkeit und Güte schenkt.

Der fromme Israelit wusste: Im Alter liegen Schwäche und Größe, Torheit und Weisheit, Eigensinn und kluge Zurückhaltung nahe beieinander. Ob das Alter gelingt oder nicht, hängt allein von Jahwe ab.

In theologischer Perspektive ist der Mensch sowohl auf Dauer angelegt, weil in ihm das Bewusstsein von Fortdauer und Ewigkeit vorhanden ist, als auch auf Zeit, da er um seine Vergänglichkeit weiß. Gott hat dem Menschen das Bewusstsein der Ewigkeit ins Herz gelegt.

Wenn einer trotzdem fröhlich leben kann, ist auch das ein Geschenk Gottes – so das Buch Kohelet, 3,9-12: „Man müht sich ab wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur, dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinen Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“

Der Mensch weiß sowohl um Unendlichkeit als auch um Begrenzung, der Sinn des Lebens erschließt sich ihm nicht im Verstehen sondern im Glauben, d. h. sich in Gottes Hände fallen lassen, Gott wieder vertrauen können wie als Kind.