Altern (12)

Was ist ein Mensch wert? In unserer Gesellschaft erbringen Menschen das Bruttosozialprodukt, ihre Leistung in den unterschiedlichsten Arbeitbereichen zählt. Die Rente, die ein Mensch im Alter erhält, ist das Ergebnis eines langen Arbeitslebens.

Es gibt auch andere Bewertung- oder Bemessungsgrundlagen menschlicher Leistung, die sich je nach Alter und Geschlecht unterscheidet. Einen interessanten Einblick in die Bewertung von Altersstufen bietet Lev 27,1-8. Hier ist vom Geldwert, dem die Arbeitskraft eines Menschen entspricht, die Rede. Ein Mann von 20 bis 60 Jahren ist 50 Lot Silber wert. Ein Mann über 60 Jahren ist noch 15 Lot Silber wert, eine Frau nur 10 Lot Silber. Eine Frau in jungen Jahren bis 60 Jahre ist 30 Lot Silber wert.

Deutlich wird hier der Mensch nach seiner körperlichen Leistungsfähigkeit taxiert. Ein alter Mensch ab dem 60. Lebensjahr verliert einen großen Teil seines „Geldwertes“.

Ganz so fremd ist die Bewertung nach körperlicher Leistung unser Leben auch heute nicht: denken Sie an die immensen Summen, die für Spitzenfußballer gezahlt werden.

Vielleicht können wir uns aber als Christen in das Gedächtnis rufen, dass die Menschen als Gottes Geschöpfe in jeder Lebensphase unendlich wertvoll sind. Ihr Wert ist nicht von der Leistung abhängig. Ein sehr alter Mensch, der gepflegt werden muss, ist und bleibt Gottes gewolltes und geliebtes Kind.

Dabei wird die geistige Leistung des alten Menschen für die Gesellschaft nicht berücksichtigt. Denn die Älteren hatten zur damaligen Zeit aufgrund ihrer Erfahrung und ihrer dadurch gewonnenen Weisheit, die Aufgabe Recht zu sprechen.

Kinder und altgewordene Menschen benötigen Schutz und Versorgung, dies war auch im alttestamentlichen Familienverbund so. Sie fallen der Fürsorge der Gemeinschaft anheim. Das sogenannte Elterngebot: Du sollst Vater und Mutter ehren, dass unsere Konfirmanden heute noch lernen, richtete sich an die erwachsenen Kinder. Ihre Aufgabe war es, sich um die Älteren zu kümmern. Der Familienverbund hatte damals die Aufgaben inne, die heute die Rente, die Fürsorge, das Sozialamt oder die Pflegeeinrichtungen übernehmen.