Altern (1)

„Alt-werden ist gerade noch erlaubt, aber man sieht es nicht gerne.“ ,so beschrieb der Kabarettist Dieter Hildebrandt treffende die gesellschaftliche Einstellung zum Altern.

Immer mehr Menschen werden immer älter. Die Generationen zurzeit sind die ersten, für die es eine sehr hohe Lebenserwartung gibt, die überdurchschnittlich alt werden können.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass 90 jährige Geburtstage in meinen ersten Gemeinden vor 35 Jahren relativ selten waren. Inzwischen, so nehme ich es wahr, sind 100ste Geburtstage durchaus üblich.

Im Jahr 1840 hatten die schwedischen Frauen die höchste Lebenserwartung: das waren im Durchschnitt 45 Jahre. Heute liegen die Japanerinnen vorne mit einer Lebenserwartung von 85,3 Jahren, in den letzten 160 Jahren ist die Lebenserwartung um 40 Jahre gestiegen. Für die Säuglinge der Gegenwart haben die Demographen errechnet, dass jedes zweite Neugeborene die Chance hat, 100 Jahre alt zu werden. Warum werden so viele Menschen immer älter? Meist wird zuerst die bessere medizinische Versorgung angeführt. Aber der wichtigste Faktor ist die verbesserte Hygiene und die gute Ernährung.

Den Generationenvertrag wird jetzt einmal anders angeschaut: Es ist keine Seltenheit mehr, dass 60 beziehungsweise 70 jährige Kinder von hochaltriger Eltern genauso pflegebedürftig wie die Eltern oder sogar schon verstorben sind. Die Kindheit von Menschen scheint nimmer mehr zu enden.

Bei der Beerdigung einer 101 jährigen Frau, war es der Enkel, der sich als nächster Verwandter um die Beerdigung kümmern musste. Ich will es so formulieren: Diese Frau hatte ihre Zeit und auch sich selbst überlebt.

Wenn man Altern mit dem Eintritt in den Ruhestand beginnen lässt, dann hat der Mensch heute damit seine längste Lebensphase begonnen, er darf mit 30 bis 40 Jahren rechnen, die er zu gestalten hat. Altern ist auch zur Lebensaufgabe der jüngeren Generation geworden.